Marcus Horndt

Lernen ist unsere Natur. Es findet immer statt. Und Lernen und Beziehung gehören unmittelbar zusammen, denn wir sind hierher gekommen als soziale Wesen. Wir suchen die Verbindung.

Unser Ur-Antrieb als Mensch ist es, in Verbindung zu gehen. Unser Lächeln erzeugt eine Reaktion und wir lernen daraus, wie „man es macht“. Wie man in Verbindung kommt. Wir suchen nach der Verbindung, weil sie uns am Leben hält.

Wenn Lernen immer stattfindet, dann bedeutet das auch, dass wir in jeder Situation lernen. Wir lernen, ob es leicht geht, oder ob etwas unmöglich ist, uns verwehrt wird, oder unter den Teppich gekehrt wird.

Wir sammeln im Laufe unseres Lebens Unmengen an Erfahrungen an, aus denen wir schöpfen und die die Basisfür unsere nächsten Entscheidungen sein werden.

Wir sollten uns bewußt werden, welche Macht wir damit gerade als Eltern haben, denn Kinder lernen wie ein Schwamm. Und nicht nur, das, was wir ihnen vorsetzen und von dem wir hoffen, dass sie es sich merken, sondern vor allem lernen sie das „Wie“.

Wir Großen bestimmen die Qualität des Lernens.

Wir prägen und färben die Erfahrungen, die unsere Kinder machen. Ob sie gesehen und gehört sind, ob sie beschämt werden oder bewertet werden, ob sie gezwungen werden oder ob sie freiwillig lernen dürfen. Ob sie so gelassen werden, oder ob sie anders sein sollen.

Jedes Mal, wenn du über ihre Grenzen gehst, lernen sie, dass man über Grenzen geht. Übrigens auch, wenn du über deine eigenen gehst.

Immer, wenn wir sie beschämen, nehmen sie als Erfahrung mit, dass man jemanden beschämt.

Dort, wo sie bewertet werden, wenn sie etwas können oder nicht können, leisten konnten oder nicht, von dem werden sie mitnehmen, dass der eigene Wert an die Leistung gekoppelt ist.

Worin sicherlich der Grundstein für Burn-Out und Depression gelegt wird.

Die größte Kraft zur Veränderung, die Kinder mitbringen, ist es, dass sie herausfinden wollen, wer wir sind. Sie sind die Einladung, damit wir in Bewegung kommen.

Und genau deshalb kommen Eltern mit ihren Kindern oft an ihre Grenzen: Weil diese gnadenlos aufdecken, wo wir Großen „noch nicht wir selbst sind“ oder „wir uns etwas nicht erlauben zu sein“. Oder wo wir uns oder etwas verstecken.

Wir haben es alle erlebt.

Und wir sind hier, um die Spirale zu durchbrechen.

Das bedeutet vor allem auch, dass wir uns um unsere eigenen Beziehungs-Erfahrungen kümmern. Dass wir uns ihrer bewußt werden und genau hinschauen. Dass wir ehrlich hinschauen, ob uns etwas noch dient oder nicht. Ob sich unsere Beziehungen wirklich so anfühlen sollen, oder nicht. Ob wir wirklich so leben wollen, oder nicht.

Wir können jeden Tag neu entscheiden, aussteigen und uns für neue Möglichkeiten öffnen. Wir können jede Beziehung neu lernen, wie sie zu einer Beziehung werden kann, die uns und unser Gegenüber erblühen lässt.

Und wenn es uns nicht gelingt, können wir gut mit uns sein. Es gibt kein Ziel. Wir sind nicht perfekt. Wir sind Menschen.

Und wir sind hier, um Erfahrungen zu machen.

Lass uns Lernen in gesunden und erhebenden Beziehungen ermöglichen.

Denn Lernen findet immer statt.

P.S.:

Unsere wichtigsten Learnings aus zwei Jahrzehnten Eltern-Sein:

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