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Von Kindern lernen

5. August 2019

Bevor ich selbst Vater wurde, wurde ich Stiefvater einer 4-jährigen Tochter.

Wie die meisten Eltern bin ich sehr unvorbereitet in diese Rolle gesprungen und gleichzeitig war es ein sehr intensives Kind.

Heute, 15 Jahre später, kann ich meinen Sohn ganz anders begleiten. Ich kann ihn anders sehen, als ich es bei den anderen Kindern konnte. Ich kann das, was er mitbringt, viel leichter annehmen.

Auf meinem Weg zum Vater begegnete mir immer wieder die Aussage, „wir können viel von den Kindern lernen“. Jedoch; was bedeutet das eigentlich konkret? Sie kommen doch hierher und wissen nichts, können nichts, sind völlig abhängig von uns, die wir schon länger hier sind und natürlich wissen, wo es lang geht.

Gerade die Konzepte „wir wissen, wo es lang geht“ stehen uns oft im Weg. Wir können von Kindern lernen, wie sie „konzeptfrei“ an die Welt herangehen. Keine vorgefertigten Annahmen darüber haben, wie „etwas funktioniert“, sondern ihren individuellen Weg unbedingt finden wollen.

Unsere Erfahrungen und Entscheidungen machen uns zu dem Menschen, der wir heute sind. Gerade dabei können wir auch von unseren Kindern lernen: Wenn sie in ihrem Handlungsspielraum Entscheidungen treffen dürfen, dann kann uns das durchaus manchmal überraschen. Wir können lernen, unseren Horizont zu erweitern.

Aufgrund erlittener Verletzungen handeln wir oft nicht nach unserer innere Stimme. Wir passen uns an, verbiegen uns, erfüllen Vorstellungen und Erwartungen anderer. Von Kindern können wir lernen, wieder der inneren Stimme bedingungslos zu folgen.

Oft verdenken wir unsere Entscheidungen. Wir malen uns aus, was alles passieren könnte, wenn wir etwas machen. Oder…um Gottes Willen…was passiert erst, wenn wir es nicht machen! Oft befinden wir uns sogar in einem Zwischenzustand von Entscheidung und Nicht-Entscheidung. Wir vergessen, dass der Kopf, die Gedanken und die Sprache nur eine Möglichkeit sind. Nur ein Werkzeug, das man benutzen kann. Kinder handeln intuitiv und wir können auch lernen, der Intuition wieder mehr zu vertrauen.

Kinder befinden sich in der vollkommenen Hingabe an das Leben und an uns. Sie tun einfach. Wie oft tun wir etwas, halbherzig, ohne dass wir es eigentlich wollen, ohne dass wir dabei Freude empfinden. Wie oft leben wir so, als geht das ewig so weiter. Als steht da nicht bei jedem der Tod am Ende. Wie würden wir leben, wenn sicher wäre, dass morgen Schluss ist? Dann sähe unsere Hingabe an das, was wir tun, mit Sicherheit ganz anders aus.

Von Kindern lernen: https://marcushorndt.de/emde

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