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„Zum Streiten gehören immer zwei!“

7. Juni 2017
Rose im Wasserglas

Es sagt sich so schön: „Zum Streiten gehören immer zwei!“.
Mehr ist es aber auch nicht. Es ist einfach nur ein Spruch, mit dem man gut seinen Unmut über irgendwas ausdrücken kann, was vielleicht nicht mal etwas mit dem Thema zu tun hat.

Ich stelle klar: Natürlich arbeite ich daran, aus dem Streit auszusteigen. Denn mir ist bewußt, dass der Streit der Eltern die Situation für die Kinder belastend macht. Da zählt es natürlich nicht, dass man es besonders gut mit den Kindern meint und deshalb besonders hart für etwas eintritt und es durchsetzen will. Das interessiert die Kinder tatsächlich am Ende und in ein paar Jahren keinen Deut. Da bin ich mir sicher.
Wie das geht „aus dem Streit aussteigen“ ist allerdings gar nicht ganz so einfach, wie ich im Folgenden darstellen werde.

Nun bin ich von der Situation „betroffen“ und es fällt mir daher nicht leicht (bis hin zu „ist mir unmöglich“), Objektivität zu bewahren. Trotzdem sehe ich für mich, dass die Zeit reif ist, etwas darüber zu schreiben. Ich werde versuchen, mich nicht darüber zu beklagen, was der andere macht, wie er es macht, oder was er nicht macht. Trotzdem werde ich sicher manchmal daran entlang schrammen.

Status quo

Schauen wir uns die Voraussetzungen an:

  • es gibt zwei Elternteile, die ein Paar sind. Sie regeln alle Belange, mehr oder weniger funktionierend, intern
  • die Paarbeziehung scheitert (und es ist müssig, hier zu betrachten, warum, denn hier sind beide Ex-Partner zu gleichen Teilen verantwortlich)
  • die Elternrollen bleiben bestehen
  • die Eltern versuchen, Lösungen für die Kinder zu finden; das wird erschwert durch folgende Voraussetzungen:
  • die Eltern wandeln sich im Zuge der Trennung per Gesetz von ehemals gleichberechtigten Elternteilen zu Menschen, denen eine bestimmte Rolle zugewiesen wird. Einer wird Versorger und Besuchselternteil, der Andere wird Betreuer
  • ein Elternteil ist damit mächtiger und kann festlegen, in welcher Ausdehnung und Verteilung der Andere den Besuch seiner Kinder wahrnehmen kann
  • damit ist ein Elternteil in der Situation, für seine Rechte und für die Rechte der Kinder, einzutreten, bzw. sie einzufordern (ist das der Streit?). (Die Täter-Opfer-Rollen werden meiner Einschätzung nach viel zu schnell vergeben. Wenn dann noch der Verantwortliche vom ASD sich scheinbar als „Ritter der unterdrückten Mütter“ sieht, dann bekommt man da ganz schnell mehrseitige üble Nachreden als „Stellungnahmen“)
  • durch die höhere Machtposition ist es dem einen Elternteil möglich, sich jeder Klärung zu entziehen, „weil er es nicht muss“
  • es bleibt: einer will nicht und nichts ändert sich. Es sei denn, der andere wechselt auf eine andere (gerichtliche) Ebene

Gerichtliche Klärung

Für mich ist klar, dass ich in der Situation mit meinen Söhnen viel zu lange verharrt habe, bevor ich auf die gerichtliche Ebene gewechselt bin. Davor musste ich mich schon unzähligen Anfeindungen, Missgunst, Misstrauen, Hähme, Verhöhnungen, Beschimpfungen, Bedrohungen, Verstecken aussetzen und trotzdem habe ich geglaubt, dass es sich – mit etwas Zeit – auf der Gesprächsebene lösen, bzw. weiterbewegen lässt. Das passiert mir nicht wieder

Tatsächlich hat mir eine Beraterin (Therapeutin und Mediatorin) schon ziemlich am Anfang der Nachtrennungszeit dazu geraten, in dieser Situation nicht weiter zu verharren, sondern eine gerichtliche Klärung zu veranlassen. Sie hatte einen großen Weitblick; im Gegensatz zu einer der Beratungsstellen, die wir lange Zeit besucht haben. Die meisten Beratungsstellen sind offensichtlich gar nicht kompetent, um mit solchen Situation umzugehen.

Auch in jüngster Zeit (im Jahr 4 nach der Trennung) rät mir eine andere geschätzte Beraterin (Psychologin und Mediatorin), die grundlegenden Sachen gerichtlich zu klären, denn es gibt offensichtlich keine Möglichkeit, es im Gespräch zu klären. Bis dahin habe ich zwei Anträge auf Umgangsregelung eingereicht und es ergingen zwei Beschlüsse, bzw. der dritte nach Einlegen der Beschwerde der AG, aber ohne Anhörung vor dem OLG. Welches den letzten Beschluss bestätigt.

Da nun wieder ein Jahr Stagnation vorliegt und es nicht möglich ist, eine Weiterentwicklung auf der Gesprächsebene zu erreichen, werde ich abermals einen Antrag auf Umgangsregelung stellen. In meinen Augen habe ich gar keine andere Wahl!

„Zum Streiten gehören immer zwei!“

Es sagt sich so leicht. Aber vielleicht ist es nur ein Spruch kleingeistiger Mitbürger, deren Probleme in einem anderen Bereich liegen und die sich ein Ventil suchen, es bei mir abzulassen.

Denn…meine Absicht ist nicht zu streiten. Ich will niemandem etwas wegnehmen, niemanden bekämpfen, mich der Verantwortung mit dem anderen zu reden nicht entziehen. Ich möchte einfach nur eine klare und verlässliche Regelung, die ein Mindestmaß an Alltag für meine Kinder mit mir enthält. (Dafür muss ich in Kauf nehmen, dass die Kinder versuchen werden, den scheinbaren Opfer-Elternteil in Schutz nehmen.)

Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass Kinder nicht zwei Zuhause haben können. Das ist insofern Humbug, da die Kinder faktisch in dem Moment der Trennung der Eltern (und dem Auseinandersortieren des ehemals gemeinsamen Haushaltes) zwei Zuhause haben! Allerdings hat ein Haushalt per Gesetz, bzw. per Rechtsprechung den Status des „richtigen“ Zuhauses; das andere bekommt den Besuchsstatus. Das bedeutet, dass

„die gelebte Realität den vorliegenden Tatsachen insofern nicht folgen kann, wenn ein Elternteil das nicht möchte.“

Umgangs-, Sorge- und Unterhaltsrecht

Als Erinnerung: Das Umgangs-, Sorge- und Unterhaltsrecht wurde ins BGB aufgenommen, indem die Belange der Eltern umgesetzt wurden. Die Mutter hat die Kinder betreut, der Vater war arbeiten und am WE zu Hause. Damit die Mutter auch ein WE mit den Kindern hat, wurde das Standard, was man Residenzmodell nennt: Die Kinder sind ein WE aller 14 Tage beim Vater zu Besuch (damit er sich fortwährend und persönlich von der Entwicklung seiner Kinder überzeugen kann) und haben eine (fiktive) Kernfamilie, die nach der Trennung erhalten bleibt.

Nun haben wir die Situation, dass die Väter mit diesem veralteten Rollenmodell nicht mehr einverstanden sind und die gerichtliche Klärung immer weniger scheuen. Eventuell werden sie dann sogar angefeindet, dass sie „die armen Mütter mit Anträgen überhäufen und überhaupt nicht beratungswillig sind“. Welch verkehrte Welt! Jetzt, wo auf die Kinder geschaut wird (von den Elternteilen, die für ihre Kinder da sein wollen und mit ihnen qualitativ hochwertige Zeit leben wollen) und sie wahrgenommen werden, ist es plötzlich wichtig, dass ein Elternteil zum Besuch wird und zum Versorger (und sich auch möglichst raushält und nicht stört), und es wird gemeint, dass das dem Kindeswohl am ehesten entspricht.

Retrospektive und Zukunftsschau

Wenn ich zurückblicke und wahrnehme, wie meine Kinder das erlebt haben, kann ich mit Sicherheit sagen, dass das nicht der empfundenen Realität entspricht. Man muss nur über eine lange Zeit die gleichen Dinge immer wieder wiederholen und irgendwann werden sie zu einer Wahrheit. Natürlich kann man sich – vor allem als Kind – nicht ewig dem Mantra „hier ist dein richtiges Zuhause“ entziehen. Ausserdem wird das Kind mit dem Elternteil kooperieren, das sich als schwächeres zeigt.

Es existiert dafür tatsächlich wenig Sensibilität: Die Kinder werden den Elternteil versuchen zu schützen, der (scheinbar) der schwächere ist und sich vom (scheinbar) stärkeren unterdrückt und bedroht fühlt. Da hat der andere Elternteil keine Chance, wenn er keinen Bock hat, sich noch stärker als der andere als Opfer hinzustellen. Dann kann man nur selbstbestimmt leben und so gut es möglich ist für die Kinder da sein. Und vorleben, dass es auch noch andere Lebenseinstellungen geben kann; auch wenn es sie im Moment nicht erreicht.



2 comments

  1. Hallo Herr Horndt,

    Wir haben ein Jahr lang in Jugenamtsgesprächen um den Umgang gefeilscht.
    Auch ich habe es so erlebt, daß man zu lange auf der Gesprächsebene verharren kann.
    Es war auch schwierig, diese Gespräche durch eine Umgangsklage abzubrechen, da es einen Umgang gab und somit kein Fehlverhalten, das Anlaß für eine Klage hätte sein können. Als die Mutter den Umgang dann aber ganz verweigerte, nutzte ich die Gelegenheit.
    Und die Gespräche vor dem Jugendamt hatten plötzlich eine unerwartete Wirkung.
    Die Mutter hatte in den Gesprächen soviel Ressentiments, Anschuldigungen und Widersprüche geäußert, daß die Sache für sie „nach hinten losging“. Die Richterin informierte sich beim Jugendamt über den Gesprächsverlauf. Und siehe da, sämtliche haltlosen Anschuldigungen und Vorwürfe fielen in der Verhandlung komplett unter den Tisch und es wurde eine Umgangsregelung mit gerichtlicher Billigung getroffen….

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    1. Hallo Markus. Dank dir für deinen Kommentar. Schön, dass es sich letztendlich so entwickelt hat! Faszinierend für mich ist immer wieder, wie individuell die Geschichten sind.
      Alles Gute!

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