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Selbstverwirklichung, Erfolg und Neid

15. Februar 2017
Selbstverwirklichung

Ein heutiges Gespräch über „Selbstverwirklichung“ und „Erfolg“ hat mir den Anstoß für diesen Post gegeben. Das Thema taucht immer wieder in Gesprächen – vor allem auch mit Trennungseltern – auf. Es ist ein sehr persönliches Thema, mit dem ich mich in den letzten Jahren beschäftige.

Was mich dringend beschäftigt, ist: Wie kann es sein, dass (Trennungs-)Mütter den Vätern ihrer Kinder es neiden, dass diese sich selbst verwirklichen können und Erfolg haben? Während sie es gleichzeitig nicht zulassen, dass diese sich mehr in die Kinderbetreuung einbringen? Sie sind ganz sicher, dass der andere ja jetzt an seiner „Selbstverwirklichung“ arbeiten kann, nur sie selbst nicht. Die Antworten, die mir immer wieder gegeben wurden, waren im Wesentlichen ähnlich widersprüchlich: „Er kümmert sich gar nicht um seine Kinder“ vs. „Er will sie aber Woche/Woche“ (stellen dann aber fest, dass sie eine höhere Machtposition haben und es „nicht ermöglichen können“).

Das ist absurd!
Es ist höchst widersprüchlich und wird nicht mal bemerkt!
Wie kann einer die gleiche Betreuungszeit fordern, sich aber gleichzeitig nicht um die Kinder kümmern?

Qualitäten

Antworten habe ich bisher indirekt bekommen. Den Vätern wird allem voran nicht zugetraut, dass sie es auf die Reihe bekommen. Es herrscht ein immenses Misstrauen und die unerschütterliche Überzeugung, dass die Mutter es einfach besser weiß. Dass der Vater immer nur auf Spass aus ist – koste es, was es wolle. Das ist natürlich absurd. Der Vater ist seit der Geburt genauso wichtig für die Entwicklung des Kindes, wie die Mutter.
Die Mutter hat natürlich die Aufgabe, das Kind zu stillen; dadurch bekommt das Kind Nahrung. Auch ist es aus dem Körper der Mutter gekommen.

Das hat aber lediglich zur Folge, dass Beziehungsqualitäten Vater-Kind und Mutter-Kind sehr verschieden sind. Sie sind von anderer Natur und von anderen Qualitäten geprägt. Über eine verschieden große Bedeutung sagt das aber nichts aus. Im Gegenteil dazu sind Vater und Mutter einfach da, weil das Kind beide braucht. In gleichen Anteilen. Sie sind biologisch beide im Kind gleich vereint und für die gesunde Entwicklung des Kindes gleich wichtig.

Nun sorgt ja das Residenzmodell – und wie Cornelia Spachtholz (VbM) nicht müde wird zu betonen, auch bestimmte Gegebenheiten im Steuerrecht – über falsche Anreize dafür, dass einer der Gewinner ist und einer der Verlierer (siehe Rosenheimer Modell, hier ist das sehr schön ausgearbeitet). Es ist gut, die Kinder zu schnappen, und dann möglichst viel zu streiten und absolut unkooperativ zu sein, damit das Residenzmodell auch von der Rechtsprechung her verankert wird.

Vorteile und Nachteile

Das hat für ein Elternteil den Vorteil, dass es Elternteil nicht arbeiten muss, um leben zu können, und die Kinderbetreuung auch immer als Ausrede geltend machen kann (dass er ja nicht so viel arbeiten kann, wie der andere Elternteil). Der andere wiederum muss Vollzeit arbeiten und wird trotzdem an der Armutsgrenze leben, da er von Gesetz wegen zwei Haushalte unterhalten muss.
Ja, es ist wirtschaftlich gesehen am günstigsten, wenn man sich als Vater überhaupt nicht um seine Kinder kümmert. Denn sonst braucht man am Ende noch Zimmer für die Kinder, Essen, Kleidung, Spielzeug, Transporte, Kinobesuch, Feiern, Zeit. Da das aber nicht vorgesehen ist – da wir uns im familienrechtlichen Rahmen in der Zeit der Mitte des letzten Jahrhunderts befinden, und der Mann fürs Heranschaffen des Geldes verantwortlich war und es (auch heute noch) als ausreichend angesehen wird, dass der Vater seine Kinder als Besuch wahrnimmt –, soll er einfach arbeiten gehen und sich nicht einmischen.

Immerhin steht das ja der Mutter zu. Höre ich so oft.

Misstrauen

Was ist damit gemeint – es stehe ihr (bzw. den Kindern) zu? Ich denke, es bedeutet, es steht so im Gesetz. Das stimmt natürlich.
Von der Entwicklungsstufe des Menschen gesehen – mit der Fähigkeit, logisch zu denken – allerdings, ist es nicht so einfach zu begreifen. Da fällt als erstes auf: Es wird bedauert, dass man sich als Frau ja nicht an der eigenen Selbstverwirklichung arbeiten kann, weil man so viel mit der Kinderbetreuung zu tun hat. Gleichzeitig werden die Kinder in Hort- und Ganztagsbetreuung gegeben und zu Freunden, Großeltern und Nachbarn, damit man das Nötigste auch mal erledigen kann, und vielleicht auch mal was für sich tun kann. Natürlich nachvollziehbar. Nur, warum wird das nicht an den Vater der Kinder ausgelagert? Der sich noch dazu als bereit und willig dafür anbietet? Weil das nicht so im Gesetz steht? Wohl eher, weil man es ihm nicht zutraut.

Wie ich im anderen Artikel schon geschrieben habe: Natürlich gibt es sie, die wirklichen, echten Alleinerziehenden. Die, bei denen das andere Elternteil verstorben ist, oder unauffindbar ist. Das tut mir auch wirklich leid, denn die haben wirklich nichts zu lachen. Da bin ich mir sicher. Und wirklich geholfen wird denen auch nicht. Es ist logisch, dass diese Menschen frustriert sind.

Frustration

Die Väter sind es auch. Die Väter, die sich bemühen, ihre Kinder gleichwertig zur Mutter zu betreuen, die aber nicht können, weil es die Mutter nicht will.
Die Gründe, die sie dafür vorschiebt, sind letztendlich egal, denn: Es gibt Vater und Mutter, diese sind biologisch gleich im Kind vereint und für die Entwicklung des Kindes gleich wichtig.
Die Ursachen für dieses Verhalten sind andere.

Wir sind als Menschen geboren, um unser Leben zu leben.

Unser ‚Jetzt‘ ist immer die Summe der Entscheidungen, die wir getroffen haben und der Erfahrungen, die wir gemacht haben.

Das ist wichtig zu verstehen. Denn das gibt uns die Möglichkeit, aus der Opferrolle herauszukommen.

Verantwortung

Ich bin verantwortlich für das, was ich entschieden habe und welchen Weg ich gegangen bin. Verantwortlich sein heißt, ich muss mit den Konsequenzen umgehen. Es ist nicht so wichtig, welche Konsequenzen es sind und wie ’schwer‘ sie scheinbar wiegen. Es kommt einzig und allein auf die Antwort an, die ich gebe. Das ist auch das Einzige, was ich tun kann. Also sollte ich alle Kraft darauf verwenden, eine gute Antwort zu finden. Eine, mit der ich gut leben kann. Wenn ich mich immer zu großen Teilen mit den Sachen beschäftige, die vergangen sind, mit der Vergangenheit hadere, Angst vor der Zukunft habe, dann werde ich nie irgendwie ankommen. Dann werde ich immer dem ‚Jetzt‘ – was ist – ausweichen.

Das, was ich nähre, wächst.

Alle Geistes-Energie, die wir aufwenden, wird etwas wachsen lassen. Und ich bin verantwortlich dafür, was ich wachsen lasse. Etwas, das mich ‚jetzt‘ leben lässt und mich glücklich sein lässt, wachsen lässt, mich erblühen lässt, oder das, was mich sauer macht, mich ärgern lässt, angstvoll, klein, verlassen fühlen lässt. Dann wird sich meine Realität auch in diese Richtung verschieben.

Was ist Selbstverwirklichung?

Ich glaube, Selbstverwirklichung ist essentiell. Wollen wir stattdessen Kinder haben, die uns Große sehen, wie wir unglücklich sind? Wollen wir als Vorbild Unglück, Leere, Sehnsucht, Missgunst, Angst sein? Das wäre kein gutes Vorbild. Kinder wollen wissen, wer wir sind! Und sie versuchen, es in jeder Sekunde unseres Zusammenseins herauszufinden. Also zeigen wir es ihnen! Ich will, dass sich mein Selbst verwirklicht! Ich strebe danach, frei zu sein! Meinen Zielen näher zu kommen! Neue Ziele aufzustellen.

Was ist Erfolg?

Erfolg ist die Summe aus Klarheit und Selbstwirksamkeit.

Klarheit darüber, was ich will; was meine Ziele sind und wie ich in die entsprechende Richtung gehe. Und Selbstwirksamkeit ist die Fähigkeit, wahrzunehmen, was ich erreicht habe. In jeder Sekunde meines Lebens. Das kann man einfachen Sachen üben („Ich nehme mir jetzt vor, aufzustehen“ und nehme wahr, dass ich es umgesetzt habe) und dafür nutzen, wenn die eigene Leere, die Mängel, Kleinheit, Ohnmacht wieder mal Oberhand gewinnen.

Neid

„Ich beneide dich!“ Gern. Mach doch. aber wundere dich nicht, wenn du dann auch derjenige bist, der von Neid zerfressen wird. Schau lieber auf das, was du erschaffst. Ob es schon so ist, wie du es dir vorstellst, oder du das Gefühl hast, du bist noch weit entfernt. Nimm dein eigenes Leben in die Hand! Mache dich nicht von anderen abhängig. Schau nicht zu den anderen hin und denke, „die haben es aber gut (und ich schlecht)“. Dann nährst du in dem Moment die Unzufriedenheit in dir. Und die wird damit größer.



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