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Fehler, und der Beweis, dass es sie nicht gibt

10. Februar 2017
Fehler vs. Erfahrungen

Ein weiteres meiner Herzensthemen sind „Fehler“. Sie begegnen mir im Unterricht mit meinen Studenten, in der Familie, bei meinen Kindern, in der Elternschaft, als Lehrer, als Autofahrer, als Mensch…

Wir alle sind damit konfrontiert, bemerken sie bei uns, bei anderen. Machen von ihnen unser Er-Leben abhängig, unser Fühlen, unser Denken.

Und doch existieren sie eigentlich nicht.

Fehler, ein Konzept

Ich verstehe, dass es das Konzept von „Fehlern“ gibt. Es sorgt auf eine beruhigende Weise dafür, dass wir uns besser fühlen. Wenn wir „Fehler“ bei anderen finden, dann können wir beruhigt sein, dass wir es nicht waren, die etwas „falsch gemacht“ haben.
Genauso beruhigend kann es sein, wenn wir „Fehler“ bei uns bemerken. Das wird wahrscheinlich seltener der Fall sein; wenn doch, ist es wohl konstitutionell verankert, dass wir öfter die „Fehler“ bei uns suchen.

Vielleicht spielt sogar „die Kirche“ und unsere Vergangenheit mit dem Christentum eine größere Rolle, als wir vermuten. Es wird und wurde viel mit dem Konzept „Schuld“ gearbeitet. Wer Schuld auf sich lädt…Leid als Gottes Strafe…usw. Auch wenn wir ausdrücklich nicht „kirchlich“ oder religiös sind, ist unser Sein heute in diesem Kulturkreis vom Christentum stark geprägt.

Definition

Es lohnt sich, sogenannte „Fehler“ mal zu definieren. Was ist ein Fehler? Man könnte sagen, „wenn ich etwas falsch mache“. Doch was ist falsch? Wenn mein Handeln ein anderes Ergebnis hervorbringt, als ich erwartet habe? Oder als jemand anders erwartet hat? Oder nicht allgemeiner, was „man eben so und so macht“? Ich finde es gerade gar nicht so leicht, lediglich herauszufinden, was „Fehler“ bedeutet. Daher schlage ich eine neue Perspektive vor:

Mein Agieren in der Welt hat Konsequenzen; für mich und für die Welt

Das macht es leichter. Es ist nicht mehr so passiv und in der Vergangenheit angesiedelt („Du hast etwas falsch gemacht“, „Du bist Schuld!“), sondern bietet die Möglichkeit, eine Verantwortung zu übernehmen. Und ist damit eher in die Zukunft orientiert.

Leben = Erfahrungen machen

Aus unserer persönlichen Perspektive betrachtet sind wir im Leben hier auf dieser Welt, um Erfahrungen zu machen. Wir lernen allerdings, diese Erfahrungen in „gut“ und „schlecht“ zu unterteilen. Von den „guten“ wollen wir mehr, von den „schlechten“ wollen wir weniger. Es ist sehr wichtig, herauszufinden, dass es in erster Linie einfach nur Erfahrungen sind, die wir da machen. Es gibt keine guten und keine schlechten Erfahrungen. Und noch weniger werden sich die schlechten Erfahrungen vermeiden lassen, wenn wir sie einfach nicht mehr in unserem Leben wollen. Vermutlich ist sogar eher das Gegenteil der Fall und sie werden noch mehr und größer. Nicht zuletzt, weil wir uns so sehr darauf fokussieren; und es wächst, was wir füttern.

Warum fühlen sich dann manche Erfahrungen angenehm an und manche unangenehm? (Die Verwandtschaft zu „genehmigen“ fällt mir auf; in unserem Sprachgebrauch genehmigen wir etwas, oder etwas nicht.) An dieser Stelle komme ich auf eine buddhistische Weisheit zurück:

Leid entsteht durch Anhaftung oder Begierde

Oder anders gesagt, Leid entsteht durch die Bindung an die Welt und diese ist in einem stetigen Wandel. So ist es vielleicht erstmal leichter zu verdauen.

Die Religionen haben immer versucht, eine Antwort auf diese Erfahrungen zu suchen. Im Christentum gab es eben zum Beispiel die Verbindung von „Schuld -> Leid“.

Perspektive

Ich strebe für mein Leben eine noch weiter veränderte Perspektive an:

Leid stellt die Grundlage für eine Lernaufgabe dar

Wenn ich hinter das schaue, was bei mir Leid verursacht, dann komme ich zur wahren Natur der Aufgabe, die das Leben für mich bereithält. Dann habe ich die Möglichkeit, herauszufinden, in welchem Bereich ich mich noch weiterentwickeln kann.

„Fehler“ sind also nichts anderes, als der Hinweis darauf, in welchem Bereich ich eingeladen bin, persönlich zu wachsen.

Jetzt haben wir doch eine viel schönere Definition und müssen nicht mit den ganzen Fehlern leben…



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