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Kindeswohl und Umgangsrecht (Gummibärchen und Zahngesundheit?)

20. Januar 2017
Kindeswohl und Umgangsrecht

Nun war neulich eine Dame der Uni Bremen zur von der Bundesregierung aufgegebenen Studie „Kindeswohl und Umgangsrecht“ bei mir. Sie hat mich anhand eines umfangreichen Fragebogens interviewt und auch geduldig meine zusätzlichen Bemerkungen als Notizen aufgenommen.

Interview

Der Titel ist natürlich sinnvoll – es scheint darum zu gehen, wie es Kindern mit dem derzeitigen Umgangsrecht in Trennungs- und Scheidungs-Situationen so geht. An sich nichts Schlechtes. Aber irgendwie wirkt der Titel auf mich wie, als untersucht man „Gummibärchen und Zahngesundheit“, oder „Strafe, Gehorsam und geistige Gesundheit“. Das beruht auf den Erfahrungen, die ich als Trennungsvater in den letzten drei Jahren gemacht habe.
Das derzeitige Familienrecht bietet eine Situation, anhand der man in Rollenzuweisungen von vor 60 Jahren katapultiert wird. Es heißt – vom Gesetz her(!) – einer betreut die Kinder, einer schafft das Geld ran. Das muss man sich mal überlegen!
Wenn ich daherkommen würde, und einer erwachsenen, gebildeten, emanzipierten Frau vorschlagen würde, dass in meinen Augen die ihr zugeteilte Rolle (von Geschlechts wegen?) die der Kinderbetreuerin ist, dann würde ich mir doch mindestens eine Ohrfeige einholen!
Warum also sollte es vom Gesetz und von der aktuellen Rechtsprechung her so sein?

Kindeswohl? Ehemals Elternwohl!

Die Erklärung ist so banal wie erschreckend: Die Installation des Umgangs-, Sorge- und Unterhaltsrechts in das BGB orientierte sich an den Belangen der Eltern. So einfach. Zu der Zeit hat niemand auf das Kind geschaut. Es ging lediglich darum, aus den zu der Zeit gelebten Rollen ein Modell zu stricken, auf das man sich auch im Falle einer Nicht-Einigung berufen kann. Das hieß dann „Residenzmodell“ und wurde zu großen Teilen so gelebt.
Nun hat sich die Gesellschaft mit ihr auch die Familie und das Bild von der Elternrolle natürlich weiterentwickelt. Wir erleben, dass die Eltern möglichst als gleichberechtigt gesehen werden (wollen). Dass Frauen und Männer Gleichberechtigung verlangen – in Karrieredingen, als auch Familiendingen.
Eltern, die es sich wert sind, ihre Kinder zu betreuen, als auch für ihr Auskommen zu sorgen, teilen sich natürlich in diese Aufgaben (selbstverständlich) hinein. Da nimmt keiner im Ernst an, dass es gut wäre, plötzlich nur noch ein Besuchselternteil zu sein. Oder die Betreuung fast komplett zu übernehmen und sich vom anderen Elternteil versorgen zu lassen. Welch absurde Vorstellung!

Umgangsrecht / Familienrecht

Aber im Familienrecht – und das ist nun mal die Ebene, auf der die Verhandlung stattfindet, wenn jeder andere Versuch scheitert – wird es als problematisch angesehen, wenn man sich nicht einigen kann…dann geht es natürlich nicht, dass man eine paritätische Doppelresidenz (=Wechselmodell) installiert. Das wäre ja irgendwie zum Nachteil der Kinder. Oder dass die Kinder ja zerrissen wären zwischen den beiden Haushalten, oder den den ständigen Wechseln.
Aber irgendwie hat niemand darüber nachgedacht, dass Kinder auch beim Residenzmodell – und sogar noch viel mehr – zwischen den Haushalten wechseln. Dass sie kein Elternteil freiwillig als „Besuchselternteil“ wahrnehmen wollen, dessen Verbindung nie wirklich gesättigt werden kann, weil über allem schwebt „wann müssen wir wieder weg?“ (ich habe es jahrelang so erlebt).

Kritik…woran?

Der Unterschied, der von den Kritikern betrachtet wird, ist der von einer Trennungsfamilie zu einer einhäusigen Familie. Da ist es natürlich so, dass die Haushalte in verschiedenen Wohnungen sind und all das, was es mit sich bringt. Die Trennung ist aber nunmal eine Tatsache; also sollte auch die gelebte Realität dem folgen können, und die Kinder die Möglichkeit haben, sich in beiden Haushalten genügend einleben können.
Natürlich ist das wichtigste für die Kinder, dass der Streit aufhört. Aber wie soll der Streit aufhören, wenn einem Elternteil per Gesetz eine höhere Machtposition eingeräumt wird?

Kindeswohl

Kinder brauchen als Vorbild Eltern, die auf Augenhöhe sind! Wie wachsen meine Kinder denn auf, wenn sie sehen, dass „Mama alles bestimmen kann“? Sie stellten diese Frage zurecht, doch gibt es leider keine befriedigende Antwort. Sie kooperieren also mit der Situation, fügen sich in die Unveränderlichkeit und resignieren. Nachdem sie jahrelang gekämpft haben.



2 comments

  1. Getrennte Väter haben keine Chance, wenn die Mutter nicht mitspielt. Gerichtsverfahren die den Umgang regeln sollen, haben überhaupt keine Wirkung, wenn die Mutter nicht mitspielt.

    Ich habe meinen 1,5 jährigen Sohn nur drei mal in meinem Leben gesehen. Ich würde ihn nicht einmal in einer größeren Gruppe von Kindern in seinem Alter erkennen. Ich weiß nicht wie er momentan aussieht oder wie seine Stimme klingt. Die Mutter ist schon während der Schwangerschaft 500 km weit weg gezogen und hat mir mitgeteilt, dass ich zu zahlen habe. In ihren Augen ist das scheinbar die einzige Verantwortung die ich tragen soll. Bis jetzt bin ich regelmäßig dieser Pflicht nachgegangen, auch wenn das mein vorheriges Leben komplett umgekrempelt hat.

    Vor gut einer Woche habe ich beschlossen nicht mehr für den Umgang zu kämpfen, weil es mich zermürbt und ich glaube, dass unser Sohn zum Argumentationsmittel stilisiert wird. Das möchte ich nicht.

    Deinen Blog finde ich gut. Es wird Zeit, dass die andere Seite der alleinerziehenden Familien durchleuchtet werden. Im Familienrecht und in der Familienpolitik läuft so manches schief.

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    1. Danke, Vater ohne Kind, für deinen Kommentar. Es tut mir sehr leid, das zu hören. Viele Väter berichten von solchen Sachen und ich kann das Leid erahnen.
      Hoffentlich ist der Weg nicht mehr so lang, dass die Situation sich wirklich weiterbewegt!
      Liebe Grüße!

      Antworten

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