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Vater als Besuch

23. November 2016
Vater als Besuch

Heute schreibe ich aus meinem Leben als Vater.

Ich habe mir den Beschluss des Familiengerichtes zu meinem Antrag auf Umgangsregelung nochmals durchgelesen. Zuerst  wird ausgeführt, wie ich mich dafür einsetze, meine Kinder paritätisch zu betreuen. Dass ich Alltag mit meinen Kindern leben möchte, nicht nur Besuchspapa am Wochenende sein möchte.

Das wird alles zur Kenntnis genommen, hat aber keine größeren Auswirkungen.

Vater als Besuch

Was mir aber am heutigen Tag immer wieder ein größeres Auflachen hervorgerufen hat, ist die Passage, in der sich auf den Gesetzestext (§1684 BGB) berufen wird:

„Das Umgangsrecht…soll es dem berechtigten Elternteil in erster Linie ermöglichen, sich vom körperlichen und geistigen Befinden des Kindes und seine Entwicklung fortlaufend persönlich zu bezeugen, einer Entfremdung vorzubeugen und dem gegenseitigen Liebesbedürfnis Rechnung zu tragen.“

Das ist natürlich was! Jetzt verstehe ich, warum es sich wie ein „Kampf gegen Windmühlen“ anfühlt. Ich bin als sich trennender Elternteil lediglich dazu berechtigt, mich von der körperlichen und geistigen Entwicklung und vom Wohlbefinden des Kindes (immerhin: persönlich) zu überzeugen!

Familienvater

Aber ich bin doch die Familie des Kindes! Das Kind ist doch meine Familie! Ich bin doch kein Besuch für das Kind. Kein Kind möchte einen Elternteil mehr als notwendig (und mehr als den anderen) entbehren müssen.

Mal ein kleiner Hinweis zur Geschichte der Gesetzeslage: Als das Umgangsrecht und Unterhaltsrecht installiert wurde, da wurde sich an den Belangen der Eltern orientiert. Die Rollenmodelle waren: Mutter am Herd, versorgt die Kinder, Vater schafft Geld ran und ist im Prinzip nur am Wochenende da. Damit der Mutter im Falle einer Trennung/Scheidung auch ein Wochenende mit den Kindern ermöglicht wird, wurde eben festgelegt, dass die Kinder aller zwei Wochen am WE zum Vater kommen. Dem wird (unterhaltstechnisch) eine Einzimmer-Wohnung zugestanden.

Das war’s. Punkt.

Auf das Kind hat da keiner geschaut. Wenn wir heute auf die Kinder schauen, wird erstaunt gefragt: Solche Wechsel, jede Woche, das kann doch kein Kind, da brauchen wir ja in Zukunft viel mehr Therapeuten, die brauchen doch einen Wohnort, die werden ja alle entwurzelt…

Entwurzelung

Klar werden die entwurzelt. Wenn man ihnen ein Elternteil vorenthält und den geografischen Wohnraum über den emotionalen Beziehungsraum stellt. Die Trennung ist nun mal eine Tatsache und hat als Folge, dass die Kinder zwei Wohnorte haben. Ob es ihnen nun ermöglicht wird, dass sie beide gleich wahrnehmen können, oder nicht. Aber es bleiben zwei. Wenn ich meine Kinder nur an einem Wochenende aller 14 Tage sehe dann leben sie doch trotzdem bei mir; haben es nur immens schwerer, sich in meine Lebenssituation einzugewöhnen. Aber die gehört doch genauso zu ihrem Leben dazu, wie die der Mutter!

Klar gibt es Gründe, die gegen eine paritätische Betreuung sprechen: Die Wohnorte liegen sehr weit auseinander, einer ist gewalttätig oder drogensüchtig. Aber sonst nix!

Nix!



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